Die Vergangenheit ist eine Einbildung unseres fantasiereichen, verlustbehafteten Datenspeichers, den manche gar nicht brauchen. Erinnert man sich, also legt den Fixationspunkt seiner Aufmerksamkeit nach innen auf diejenigen Bereiche des Hirns, die man lange nicht “abgerufen” hat, so ist es dasselbe, als ist man in der Gegenwart nicht ganz bei der Sache oder als versuche man, Zukünftiges zu visualisieren. Ganz gleich also, in welchen “Zeiten man schwelgt”, solange es einem real vorkommt – und damit meine ich, dass auch Gefühlsbilder aktiviert werden – kann das Gehirn nicht unterscheiden, in welcher Zeit das visualisierte spielte, spielt oder spielen wird.
Wenn wir sagen “das war sooo schön” oder “es wird schlimm werden”, dann benutzen wir unser allgegenwärtiges Hilfskonstrukt – die relative Zeit. Doch Zeit existiert überhaupt nicht. Das kann jeder aus eigener Erfahrung bestätigen, der schon ein paar mal auf einen Bus oder eine Bahn gewartet hat… unterhält man sich beispielsweise während des Wartens angeregt mit einem Freund, einer Freundin oder “Mitwartenden”, so “verfliegt” die Zeit förmlich, als sei es nur ein Traum gewesen. Ähnlich ist es, beschäftigt man sich intensiv mit sich selbst oder konzentriert mit einer Sache während die Zeit “verstreicht”. Man würde dann – retrospektiv – auch nicht behaupten, man hätte gewartet, auch wenn Stunden vergangen sind. Ganz anders ist es beim aktiven Warten. Die Zeit scheint dann überhaupt nicht zu “vergehen” sondern sich quälend wie Kaugummi zu “ziehen”, an dem man “hängenbleibt”. Der Unterschied liegt also, aktiv gesehen, in dem, was man tut (oder nicht tut) und passiv gesehen, in dem unterschiedlichen Betrachungswinkel (und damit dem Standpunkt seines Selbst).
Ich schwelge gelegentlich in vergangenen Zeiten, freue mich, leide, durchlebe einzelne Augenblicke so, als seien sie ganz gegenwärtig – doch nie länger als für subjektive fünf Minuten. Ich ertappe mich dabei, “rückfällig” oder gar “nostalgisch” zu sein. Da frage ich mich, wenn die Zeit überhaupt nicht existiert, sondern nur dazu da ist, unserem physischen Gehirn das Verarbeiten der Informationsflut von aussen zu erleichtern, indem wir sie gar erschaffen, wenn wir automatisch alles in einige Millisekunden überspannende Mikro-Ereignis-Einheiten zerlegen, existiert dann die Vergangenheit überhaupt noch? Wie können wir uns sicher sein, dass wir das taten, was wir taten?
Es ist bekanntlich der Glauben! “Sehr stark und überzeugt an etwas gauben”, kann man “etwas wissen” nennen, doch erlangen wir dadurch keine Weisheit. Im Gegenteil – wir halten uns an die Kreation unserer eingebildeten Vergangenheit, an unsere erlernten Konzepte, an die vorgetäuschten Tatsachen der verantwortungslosen Medien etc. – und kaum ein Mensch hält inne – hinterfragt – überdenkt – fühlt(!) den eigentlichen Kern einer Sache… das finde ich sehr schade, zumal die Wahrheit immer ganz einfach ist.
Lebt den Augenblick! Kein Zögern, kein Hadern, sondern Genuss!
2 Kommentare
Die Sache ist auf den Punkt gebracht.
Wo ist der Anfang und wo das Ende? Es gibt Fragen, auf die es keine handfesten Antworten gibt.
Was ist Zeit?
In dem sinne
Lean
Nichts beeinflußt den Menschen mehr wie seine eigenen Gedanken
Ob diese Phantasie sind oder nicht!
In diesem Sinne.
Noch einen phantastischen Tag
Tuxie